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Konzept- und Projektentwicklung für eine "Clearing- und Beratungsstelle in einem Netz gegen Schulabbruch und Schuldistanz"
Auftraggeber
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg (als Fachbehörde sowie Verwalter und Treuhänder von Mitteln des Europäischen Sozialfonds)
Aufgabe
Beauftragt wurde die Gründung einer aus den Systemen Schule und Jugendhilfe gemeinsam finanzierten Beratungs- und Clearingstelle Schuldistanz. Die Konzept- und Projektentwicklung wurde an den bestehenden Arbeitskreis Schule – Jugendhilfe des Sozialraums III im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg angegliedert, welchem Vertreter sowohl von Ämtern und Diensten als auch von Schulen und Jugendhilfeträgern angehören. Neben der Etablierung der Stelle intendierte der Auftraggeber die Stärkung der Kooperationen und Vernetzungen im Gesamtbezirk, insbesondere im Sinne struktureller integrierter Fördermöglichkeiten von Schule und Jugendhilfe für die Zielgruppe der schuldistanzierten Schüler. Die Clearingstelle Schuldistanz sollte
- Möglichkeiten erweitern, Hilfen für schuldistanzierte Kinder möglichst frühzeitig zu entwickeln,
- die unterschiedlichen Fachressourcen des Bezirkes einbinden und nutzen,
- eine Abgabe der Verantwortung der Regeleinrichtung Schule an die Jugendhilfe erschweren und
- fallbezogene und fallübergreifende Effekte ermöglichen.
Der Auftragnehmer hatte die Aufgabe diesen Prozess zu moderieren, fachlich anzuleiten und in einem Handbuch zu dokumentieren.
Vorgehen/Methode:
In mehreren Arbeitsschritten wurden ein Rahmen- sowie ein Arbeitskonzept entwickelt
- Ein Konzeptrohling wurde entworfen und verschickt.
- In einem ersten Werkstattgespräch mit circa 35 Teilnehmern der Senatsschulverwaltung, der Senatsjugendverwaltung, der unteren Schulaufsicht, der verschiedenen Fachbereichen des bezirklichen Jugendamtes, der außerbehördlichen Fachdienste und Freien Träger wurde das Rahmenkonzept begrüßt. Präzisierungs- und Korrekturhinweise konnten entgegengenommen werden.
- Gemeinsam mit dem Arbeitskreis wurde von dem Auftragnehmer eine Konzeptpräzisierung entwickelt.
- Eine Erwartungs- und Interessenanalyse der Umfelder (Leitungsebene im Jugend-amt, Allgemeiner Sozialpädagogischer Dienst, Jugendförderung, Freie Träger, Schulaufsicht, Lehrkräfte, Erziehungs- und Familienberatung, migrations- und genderspezifische Perspektiven etc.) wurde durch exemplarische Befragungen von Schlüsselpersonen vorgenommen. Soweit die Erwartungen mit den Grundlinien des Ansatzes vereinbar waren, wurden die Positionen in das Konzept integriert.
- Im Dezember 2002 wurde das angereicherte und validierte Konzept an siebzig Schlüsselpersonen und Teilnehmer des ersten Werkstattgespräches, verbunden mit der Einladung zu einem zweiten Werkstattgespräch, versendet. Hier wurde die Clearingstelle durch ein breites Votum auf den Weg gebracht.
Parallel zu diesem Prozess verlief die Entwicklung der Verfahrens- und Arbeitsinstrumente, welche Fachlichkeit, Sicherheit für die Aktiven und Berechenbarkeit für die Nutzer ermöglichen sollten. Die AK-Mitglieder wurden im Rahmen von Qualifikationsmodulen in den Gebrauch der Arbeitsinstrumente eingeführt.
Transferierbare Erfolgsfaktoren:
Zentral sind für den Start zunächst einzelne Ansprechpartner mit spartenübergreifenden Blicken und mindestens losen Mandaten aus den entsendenden Kontexten. Das Beispiel zeigt, dass in der Folge für gelingende Netzwerkbildung und die Gründung multiprofessioneller Projekte insbesondere folgende Schritte förderlich sind:
- Orte der Kommunikation schaffen, in denen empiriebasierte Abstimmungen möglich werden – auf Grundlagen wie sozialstrukturelle Daten; bereichsbezogene empirische Entwicklungen (Bedarfe, Plätze, Finanzmittel etc.); Leistungsspektrum; Bearbeitungsverfahren in den Systemen; Probleme und Veränderungswünsche.
- Planungs- und Steuerungsgruppe gründen.
- Leitbild und Programme entwickeln, z. B. „Schule als multiprofessionelles Verantwortungszentrum für fachliche und soziale Bildung“; kommunale fachliche Beschlüsse erwirken und implementieren, z. B. „Qualifizierung der Schul- und Hilfeverläufe durch Verflechtung“; „Sozialraumorientierung“.
- Ressourcenbasis sichern.
- Möglichkeiten und Grenzen sowie Zuständigkeiten und Rollen aushandeln.
- Vereinbarungen auf Leitungs- und Ausführungsebene schließen.
- Qualifizierungsfundament herstellen.
- Den Kooperationsprozess in den Basiseinheiten beginnen (dazu zählen sowohl die interne Klärung der feststellbaren Ergänzungsbedarfe, der erwünschten Kooperationsziele und der mitgebrachten Ressourcen als auch eine gemeinsame Klärung der vorliegenden Probleme und Herausforderungen, der vorhandenen Schnittstellen und Anknüpfungspunkte und der Kooperationserwatungen und –ziele sowie eine Verteilung von Aufgaben und „Proben aufs Exempel“).
Ergebnis/Produkt:
Die Beratungs- und Clearingstelle Schuldistanz wurde aus bestehenden Systemressourcen im Herbst 2003 eröffnet. Prozess, Konzept und fachliche Arbeitsinstrumente sind im Handbuch „Clearing- und Beratungsstelle Schuldistanz“ dokumentiert.
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Projektzeitraum:
September 2002 – September 2003
Durchführung:
Prof. Dr. Karlheinz Thimm
Veröffentlichung:
Das Handbuch wurde dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg sowie dem Arbeitskreis Schule – Jugendhilfe zur Verfügung gestellt.
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